Doris Hefti

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MBSR (mindful based stress reduction)

Achtsamkeitspraxis und Meditation nach Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn

 

 

Was ist Achtsamkeit? Was kann Achtsamkeit bewirken?

Für mich bedeutet Achtsamkeit die beabsichtigte Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Gegenwart d.h. auf den aktuellen Moment, auf die gegenwärtige Erfahrung.

 

Achtsamkeit bedeutet auch das bewusste Beobachten, wobei die Beobachtung aus einer bestimmten Haltung heraus erfolgt. Diese ist


wohlwollend, akzeptierend

nicht urteilend, nicht wertend

nicht einteilend oder kategorisierend

nicht identifiziert mit dem Objekt der Beobachtung, jedoch unmittelbar an der Erfahrung teilhabend

unvoreingenommen, offen

die Welt wie mit den Augen eines Kindes betrachtend

Entscheidend ist dabei die Bewusstheit über den Prozess des Beobachtens selbst, ein Gewahrsein unabhängig von den beobachteten Objekten, unabhängig davon, ob der Fokus der Aufmerksamkeit weit oder eng ist.  

 

Bildhaft gesprochen stellt das "Erwachen des inneren Beobachters" das Essentielle der Achtsamkeit dar. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung: Das Rad der Achtsamkeit (Wheel of awareness, vgl. Siegel 2007)

 

 

Das "RAD DER ACHTSAMKEIT" besteht aus drei Teilen:

 

AUSSENWELT

Die "fünf Sinne" (sehen,  hören, tasten/berühren, riechen, schmecken) vermitteln Informationen über die Außenwelt.

 

INNENWELT

Der "sechste Sinn" vermittelt Informationen aus unserem Körper, dient der Wahrnehmung der körperlichen Innenwelt, der Interozeption. Der "siebte Sinn" ermöglicht es, Aspekte der psychischen Innenwelt wahrzunehmen wie Gedanken, Gefühle, Intentionen, Bilder, Überzeugungen, Träume etc. Er kann als Metakognition verstanden werden, als Fähigkeit, den Geist wahrzunehmen (engl. "Mindsight"). Als "achten Sinn" schlägt Siegel einen "beziehungsbezogenen" Sinn vor. Dieser Sektor steht für unseren Sinn für Beziehungen, unsere Verbundenheit mit anderen Wesen.

 

REINES GEWAHRSEIN

Auf einer anderen Ebene symbolisiert die Nabe auch "reines Gewahrsein", jenen Hintergrund, auf dem alle Objekte erscheinen. Es ist jenes (letzte) Wahrnehmende, das sich selbst aber jeder Beobachtung entzieht. Es ist unabhängig von Objekten.

 

Die Aufmerksamkeit kann also grundsätzlich fokussiert und gerichtet oder aber ungerichtet, offen, d.h. "wahllos" sein (choiceless awareness bzw. open mind), d.h. jede Erfahrung wird uneingeschränkt einbezogen. 

 

In Achtsamkeit werden die Wahrnehmung und automatisch erfolgende gefühlsmäßige Reaktionen bewusst von Reaktionen auf diese Erfahrung auf der Handlungsebene getrennt. Impulse können beobachtet werden, Automatismen werden unterbrochen. Beispielsweise wird ein Juckreiz beobachtet, ohne gleich (automatisch) zu kratzen. Dabei wird häufig die Erfahrung ermöglicht, dass dieser von selbst wieder verschwindet, oder eine störende Fliege ohne eigenes Zutun wieder wegfliegt.

 

Achtsamkeit kann als definierte Übung praktiziert werden, durch regelmäßiges Üben aber selbstverständlich und mühelos werden. Sie wird dann als Haltung in den Alltag integriert.

 

Achtsamkeit ist grundsätzlich in jeder Lebenslage möglich, sie ist absichtslos, verfolgt kein Ziel, grenzt nichts aus. Sie beobachtet weil etwas da ist, nicht damit es vorübergeht. Nach der "Paradoxen Theorie der Veränderung" geschieht Veränderung allerdings häufig gerade dann, wenn wir aufgehört haben, etwas mit allen Mitteln verändern zu wollen und seine Unveränderbarkeit akzeptiert haben.


Achtsamkeit kann folgendes bewirken:


Ruhe im Sinne von "Geistesruhe" und Tiefen-Entspannung

Stressreduktion

Steigerung der Konzentrationsfähigkeit

Mobilisierung innerer Ressourcen

Verbesserung der Lebensqualität

Selbsthilfe bei Schmerzen und chronischen Krankheiten (Herzleiden, Krebs, Burn-out, Diabetes, hoher Blutdruck oder andere stressbedingte Krankheiten)


Selbsthilfe bei physio-psychologischen Beschwerden (Angst, Ärger, Emotionsregulation, Borderline-Persönlichkeitsstörungen, Depression, Ess-Störungen, Psychosen, Schizophrenie, Sucht, Trauma, Zwangserkrankungen)

Einsicht im Sinne von "Wissensklarheit", einem umfassenden Verstehen menschlicher Erfahrung wie Erkennen eigener Automatismen (Reaktions-, Denk- und Verhaltensmuster) aber auch der menschlichen Existenz